
Formen tiergestützter Arbeit
Tiergestützte Intervention – unterteilt in Therapie, Pädagogik, Fördermaßnahmen, Besuchsdienste… all diese Begriffe haben miteinander zu tun und werden teilweise verwirrend benutzt.
Damit Sie wissen, welches Verständnis wir damit verbinden, hier zunächst die Definition und Unterscheidung nach der Delta Society® - Stand 05.2011
Animal-Assisted-Activities (AAA) - Tiergestützte Aktivitäten
Die formale Definition lautet:
- Tiergestütze Fördermaßnahmen (AAA) bieten Möglichkeiten der Unterstützung bezogen auf motivationale, erzieherische, rehabilitative und/ oder therapeutische Prozesse. Sie werden in der Regel von ehrenamtlichen Helfern ohne pädagogischen oder therapeutischen Hintergrund durchgeführt.
- Sie verbessern dadurch die Lebensqualität der Betroffenen. Assistiert wird diesen Helfern von Tieren mit spezifischen Merkmalen.
Eine geläufigere Bezeichnung für AAA ist in Deutschland der Begriff „Besuchsdienst“.
Was bedeutet das genau?
Tiergestützte Aktivitäten (AAA) sind im Wesentlichen formlose „meet and greet“ Aktivitäten, bei denen Menschen mit ihren Tieren Besuche abstatten (z.B. in Kitas oder Seniorenheimen). Die gleiche Aktivität kann mit verschiedenen Menschen wiederholt werden, im Gegensatz zu einem Therapie-Programm, das auf eine bestimmte Person oder einen medizinischen Zustand zugeschnitten ist. Die Hauptmerkmale von AAA sind also:
- Es werden keine spezifischen Therapieziele sind für jeden Besuch geplant.
- Ehrenamtliche und unterstützendes Personal sind nicht verpflichtet, detaillierte Notizen zu machen.
- Der Besuchs- Inhalt ist spontan und Besuche dauern so lang oder so kurz wie benötig.
Animal-Assisted-Therapie (AAT) - Tiergestützte Therapie
Die formale Definition lautet:
Tiergestützte Therapie (AAT) ist eine zielgerichtete Intervention, bei der ein Tier integraler Bestandteil des Behandlungsprozesses ist. AAT wird durch Menschen mit Berufen aus dem Gesundheits- oder Sozialbereich im Rahmen der Ausübung ihres Berufes durchgeführt. Ziel ist die Verbesserung von physischen, sozialen, emotionalen, kognitiven u.a. Fähigkeiten der Menschen.
Die Hauptmerkmale von AAA sind also:
- Es wird ist zielorientiert gearbeitet und die genauen Ziele werden für jede Einheit individuell definiert.
- Aktivitäten und Fortschritte werden genau dokumentiert und evaluiert.
- Der Besuchs-Inhalt ist geplant und wird üblicherweise in bestimmten Intervallen durchgeführt mit vorher festgelegter Dauer – ausgerichtet an den Bedürfnissen des Patienten. In der Regel gehört dabei das Tier dem Therapeuten.
In einigen Institutionen im Bereich der hundegestützen Therapie wird auch eine 3-er Kombination bevorzugt: Therapeut – Hund – Hundeführer. Diese grundlegende begriffliche Unterscheidung von AAA und AAT ist sehr wichtig, um die Arbeitsfelder und Kompetenzen der Mensch-Hund-Teams klar abzustecken! In Deutschland ergibt sich zusammenfassend im Handbuch der Tiergestützten Intervention (VERNOIJ/ SCHNEIDER S. 34ff) daraus eine noch genauere begriffliche Differenzierung in vier Bereiche mit bestimmten Zielen – wobei sich nur der erste Bereich der Aktivitäten auf AAA bezieht und die anderen Begriffe sich auf AAT und auf AAE zurückführen lassen:
- Tiergestützte Aktivitäten – Verbesserung des allgemeinen Wohlbefindens
- Tiergestützte Förderung – Erzielen allgemeiner Entwicklungsfortschritte
- Tiergestützte Pädagogik – Erlernen spezifischer Lernfortschritte
- Tiergestützte Therapie – Stärkung der Lebensgestaltungskompetenz
Für alle Bereiche ist unserer Ansicht nach eine fundierte Ausbildung notwendig. Es gibt einige, qualitativ und preislich sehr unterschiedliche, Institutionen, die Therapeuten und Pädagogen gemeinsam mit ihren Hunden im Bereich AAT weiterbilden (z.B. speziell für Lehrer im Bereich HuPäSch (AAE) ColeCanido). Die Ausbildung im Bereich AAA, also „Besuchshunde“, ist bei verschiedenen Aktionen und Vereinen anzutreffen (Tiere helfen Menschen www.thmev.de), ist jedoch keine Bedingung zur Teilnahme an einem Besuchsdienst. Häufig trifft man daher, besonders beim Besuch in Seniorenheimen, zwar engagierte aber kaum geschulte Hundehalter an. Diese Schulungen sollten sich u.E. im Bereich der hundegestützen Aktivitäten mit Themen wie Stress und Ausdrucksverhalten bei Hunden beschäftigen, als auch besuchsspezifisch anzutreffende Themen wie z.B. Demenz und den adäquaten Umgang mit den Besuchten berücksichtigen.


