Calming Signals — die Beschwichtigungssignale der Hunde
Beschwichtigungssignale unterbrechen Aggression, Stress, Angst und unerfreuliche Dinge aller Art, oder lassen diese erst gar nicht aufkommen. Beschwichtigungssignale bauen Vertrauen auf, vermitteln ein Gefühl der Sicherheit und helfen vor allem, verstanden zu werden.

Umringt von drei deutlich größeren Hunden fühlt sich der Pinscher so unsicher, dass er in der Bewegung erstarrt.
Hunde sind Rudeltiere, deren Sozialverhalten zu einem wesentlichen Teil durch Konfliktvermeidung bestimmt ist. Beschwichtigungssignale nehmen einen großen Teil der körpersprachlichen Kommunikation unter Hunden ein. Diese Sprache setzten sie die ganze Zeit ununterbrochen ein so lange sie wach sind und irgendetwas um sie herum geschieht, und zwar nicht nur im Zusammensein mit Artgenossen, sondern auch bei Begegnungen mit uns Menschen. Oft werden sie aber von uns nicht richtig gedeutet, und so kommt es zu Missverständnissen in der Kommunikation zwischen Mensch und Hund. Wenn Hunde diese Form ihrer Sprache verlieren, dann oft, weil sie durch Fehlinterpretation oder durch Nicht-Erkennen des Menschen für das Zeigen dieser Sprache bestraft wurden.

Die weiße Mischlingshündin beschwichtigt die Schäferhündin durch Stehenbleiben und Pfote heben.
Sie gehen z. B. mit ihrem angeleinten Hund spazieren. Ein anderer Hund taucht in der Ferne auf, und Ihr Hund beginnt daraufhin, langsamer zu werden, einen Bogen zu laufen, oder schnüffelt am Boden. Er möchte ganz sicher gehen, dass der andere Hund gesehen hat, dass er sich in freundlicher Absicht nähert. Greifen Sie jetzt in diese Situation ein und verlangen von ihrem Hund z.b. „Fuß“ zu gehen, in gerader Linie und schnell auf den anderen Hund zuzulaufen, kann er diese Signale nicht mehr einsetzen und gerät in einen Konflikt und in Stress.

Wenn Hunde sich treffen, vermeiden sie sorgfältig einen frontalen Kontakt. Gezeigt werden Beschwichtigungssignale wie den Blick und den Kopf abwenden und einen Bogen schlagen, um Konflikte möglichst erst gar nicht aufkommen zu lassen.
Hunde lernen durch Verknüpfungen, und immer, wenn Sie mit ihrem Hund in eine wie oben beschriebene Situation kommen und ihn in ein Kommando zwingen, verknüpft er den von Ihnen ausgehenden Ärger mit der Situation Hundebegegnung und nicht damit, dass sie Druck auf ihn ausüben, weil er das Kommando nicht befolgt. Dies führt dann mittel- und langfristig zu Problemen bei Begenungen mit anderen Hunden.
Für den Hund steht die Konfliktvermeidung an erster Stelle. Kann er sein natürliches Verhalten nicht zeigen, kann es zu Übersprungshandlungen und Aggressionen kommen. Hunde, die während ihres Aufwachsens normale Möglichkeiten hatten ihre Sprache im Zusammensein mit anderen Hunden zu entwickeln, werden in der Regel sozialverträgliche Tiere mit der Fähigkeit, Konflikte zu lösen. Wenn zwischen uns und dem Hund im Zusammenleben Probleme entstehen, müssen wir den Fehler oft bei uns selbst suchen.

Die Jagdhündin reagiert auf den aggressiven Befehlston ihres Besitzers mit Kopf abwenden und erstarren.
Diese Sprache kann verloren gehen durch fortgesetztes Mobbing anderer Hunde, oder weil der Hund von einem anderen Hund attackiert wurde, trotzdem er diese Signale zeigte. Hunde zeigen auf Dauer nur Verhaltensweisen, die ihnen Erfolg bringen oder Unangenehmes von ihnen fernhalten. Da Hunde in jedem Alter noch lernen können, sind sie aber auch in der Lage, den Einsatz von Beschwichtigungssignalen wieder zu erlernen.

Da diese beiden Hunde keinen Konflikt möchten, wenden sie den Kopf ab und
vermeiden direkten Blickkontakt.
Wir Menschen können ebenfalls lernen, die Beschwichtigungssignale unserer Hunde zu erkennen, zu deuten und sie sogar selbst einzusetzen. So wird es möglich zu einem besseren Verständnis seines eigenen, aber auch fremder Hunde zu kommen. Oft ist es schwierig die Signale zu erkennen, da sie sehr schnell gezeigt werden, so dass man neben dem Wissen um diese Zeichen auch etwas Übung braucht.
Es sollte aber unser Ziel sein, die Sprache unserer Hunde kennen zu lernen, auf sie einzugehen und sie entsprechend zu beantworten und zu respektieren.
Zur weiterführenden Information:
Buch und Video von Turid Rugaas:
Die Beschwichtigungssignale der Hunde, animal learn Verlag
Calming Signals Workbook, Martina Nagel/Clarissa v. Reinhardt,
animal learn Verlag
